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Ihr ständiger Begleiter in der Schwangerschaft

Mutterpass - Seite 5

Auf der Seite 5 des Mutterpasses wird Ihre persönliche Anamnese (Krankengeschichte) eingetragen. Es werden hier Angaben gemacht, die für die jetzige Schwangerschaft sehr wichtig sind und es wird eingetragen, ob Sie beraten worden sind.

In der obersten Zeile von der 5. Seite des Mutterpasses wird Ihr Alter zum Zeitpunkt der Erstuntersuchung eingetragen. Daneben kommt das Gewicht vor Schwangerschafts (SS-)Beginn und Ihre Größe. Darunter steht Gravida und Para.
Die Eintragungen dort werden immer mit römischen Zahlen angegeben.

Gravida heißt Schwangere - hier wird angegeben, wie viele Schwangerschaften Sie schon gehabt haben, auch Fehlgeburten zählen hierzu, Zwillinge oder Mehrlinge zählen nur einmal, da sie in einer Schwangerschaft zusammen ausgetragen werden. Die jetzige Schwangerschaft wird hier auch mitgezählt.
Para heißt Geburt - hier wird eingetragen, wie viele Geburten Sie gehabt haben vor dieser Schwangerschaft.
Abgesehen von der Eintragung oben im Mutterpass, wo man die Zahlen nach den Worten Gravida und Para einträgt, schreibt man üblicherweise die Anzahl vor dem Wort Gravida oder Para oder die Anzahl nur vor den Großbuchstaben G und P.
z.B.: IG 0P (wäre die erste Schwangerschaft - noch keine Geburten);
        IIIG IP (wäre die dritte Schwangerschaft und nur eine Geburt bei den davorerlebten Schwangerschaften - das heißt, eine Schwangerschaft ist nicht zur Geburt ausgetragen worden - das wäre evtl. eine Fehlgeburt, zum Beispiel).

Darunter kommt unter der Rubrik:
 A. Anamnese und allgemeine Befunde/Erste Vorsorge-Untersuchung

Bei der Ausstellung Ihres Mutterpasses werden Sie entweder all diese Fragen gefragt oder Sie sind in der Frauenarztpraxis gut bekannt und man wird dieser Seite direkt ausfüllen ohne mit Ihnen alles zu besprechen oder nur einzelne Punkte zu erfragen. Es sind 26 Angaben und hinter jedem Punkt muss ein Box angekreuzt sein entweder mit ja oder nein. Es gibt auch bei einzelne Punkte Platz für nähere Erläuterungen.

Hier geben wir an, was die einzelne Punkte bedeuten - manche Punkte sind eindeutig.

  1. Familiäre Belastung (z.B. Diabetes, Hypertonie, Fehlbildungen, genetische Erkrankungen, psychische Krankheiten. Das Vorkommen von Erkankungen in der Familie ist wichtig, da es sein kann, dass eine Schwangere ein erhöhtes Risiko für bestimmte Erkankungen trägt. Bestimmte Erkankungen können auch erstmalig in der Schwangerschaft auftreten. Diabetes = Blutzuckerkrankheit. Hypertonie = Bluthochdruck. Fehlbildungen wie z.B. Lippenkiefergaumenspalte, Spina bifida und viele andere können gehäuft in Familien auftreten.  Genetische Erkankungen = Erberkrankungen, Erkankungen welche vererbt werden können. Psychische Erkankungen können ebenfalls erstmalig in der Schwangerschaft auftreten. Und ein Hinweis auf psychische Erkankungen in der Familie könnte ein Risiko für diese Schwangerschaft sein. 
  2. Frühere eigene schwere Erkankungen (zB. Herz, Lunge, Leber, Nieren, ZNS, Psyche) ggfs. welche ZNS bedeutet Zentrales Nerven System ( hierzu gehören das Gehirn und  Rückenmark. Hier werden Erkankungen von früher angegeben aber unter Umständen auch Erkankungen die bis zur Gegenwart Ihre Auswirkungen haben. Beim ZNS z.B. weren eine Apilepsie oder eine frühere Meningitis angegeben. Bestimmte Nierenerkankungen können ein Risiko mitbringen für eine Hypertonie oder ein Risiko für erneute Nierenbeckenentzündungen. Frühere psychische Erkankungen können wieder auftreten, z.B. Depressionen.
  3. Blutungs- /Thromboseneigung  Die Blutungsneigung ist die verzögerte Blutgerinnung bei Wunden, z.B. wenn Sie länger als normal bluten nach einer Schnittverletzung. Da es z.B. bei der Nachgeburt der Plazenta (des Mutterkuchens) zu einer Blutung kommt, kann es sein, dass jemand der ene Blutungsneigung hat mehr Blutverlust erlebt als normal und da muss man vorbereitet sein. Die Thromboseneigung ist die Neigung zur Bildung von Blutgerinnseln in den Blutgefässen. Das bedeutet , dass Blutpropfen Blutgefässe völlig oder zum Teil verschließen können. Die Neigung hierzu kann sowieso erhöht sein in der Schwangerschaft und wenn die Neigugn schon vor der Schwnagerschaft vorhanden ist, dann kann eine Mediaktion zur Vermeidung von Thrombose schon in der Schwangerschaft nötig sein.
  4. Allergie z.B. gegen Medikamente Allergien sind Empfindlichkeitsreaktionen oder Überreaktionen des Körperabwehrsystems auf bestimmte Stoffe. Manche Allergien sind nicht so wichtig wie andere in der Schwangerschaft. Wenn Sie viele Allergien haben, ist es besser, Sie legen Ihren Allergiepass in dem Mutterpass und machen einen Vermerk in dieser Rubrik. Manche Allergien können lebensgefährlich sein. Es kommt vor, dass man in der Schwangerschaft Medikamente nehmen muss. Oder man benutzt Latex Handschuhe und Sie reagieren allergisch auf Latex.  Auch Heuschnupfen ist hier gemeint.
  5. Frühere Bluttransfusionen Frühere Blutübertragungen werden hier angegeben. Manche Erkankungen werden bei Bluttransfusionen übertragen, z.B. AIDS oder Hepatis C - aber diese sind äußerst selten heutzutage seitdem die Testungen auf Bluttransfusionen sehr gut sind und infiizertes Blut gar nicht mehr zur Übertragung benutzt wird. Dieses Risiko gehört der Vergangenheit an. Die Angabe von Bluttransfusionen kann aber auch Hinweis sein für eine Blutungsneigung (siehe oben)  oder große Operationen die hier angegeben werden sollten.
  6. Besondere psychische Belastung (z.B. familiäre oder berufliche) Hier können strake belastende Situationen wie: Trennungen, Scheidungen, Partnerverlust, plötzliche Abreitslosigkeit, Mobbing unter anderem angegeben werden.
  7. Besondere soziale Belastung (Integrationsprobleme, wirtsch. Probleme) Hier können unter anderem erwähnt werden: Kommunikationsprobleme bei fehlende Kenntnisse der Sprache, Asylantenstatus, Sozialhilfeabhängigkeit.
  8. Rhesus-Inkompatibilität (bei vorausgegangene Schwangerschaften) Dies ist ein Unverträglichkeit des Rhesusfaktors (ein Merkmalsbestand der Blutgruppe). Insbesondere ist hier die Bildung von Anti-D in früheren Schwangerschaften gemeint aber auch das Auftreten des seltenen Rhesusinkompatibilitäts Syndrom beim Kind.
  9. Diabetes mellitus = Blutzuckerkrankheit - Eine vorbestehende Blutzuckererkrankung bringt an sich neue Risiken mit in eine Schwangerschaft. z.B.  bei schlecht eingestellter Stoffwechsellage das Risiko für große Kinder. Auch Nierenerkrankungen, Bluthochdruck, starke Übelkeit und Unterzuckerungen können unter anderem häufig Auftreten.
  10. Adipositas = Übergewicht. Ein Übergewicht bringt vermehrtes Risiko auf Zuckererkrankungen, Bluthochdruck und Thrombosen mit sich.
  11. Kleinwuchs Kleinwuchs ist eine Körpergröße bei Frauen von unter 140cm (Angabe aus dem Psychrembel Männer unter 150cm).Kleinwuchs kann unter Umständen erblich sein. Es kann sein, je nach Kleinwuchstyp, dass Kinder kleinwüchsiger Mütter ebenfalls kürzere Extremitäten haben ohne Grund zur Besorgnis. Wenn Sie kleinwüchsig sind wird man hier nähere Informationen für Ihre Schwangerschaft haben müssen.
  12. Skelettanomalien Abweichungen von der Norm bezüglich des Knochenbaus. Diese können wichtig sein in der Schwangerschaft, da bestimmte Teile des Skelettsystems oder Knochensystems sehr stark beansprucht werden. Es kommt auch zu einer anderen Körperhaltung in der Schwangerschaft. Veränderungen z.B. auch am Beckenring können während der Schwangerschaft aber auch bei der Geburt wichtig sein. Bestimmte Skelettanomalien, z.B. Spina Bifida (offene Rücken) können auch erblich sein und man wird Ihr Kind besonders hierauf untersuchen.
  13. Schwangere unter 18 Jahren Junge Schwangere neigen zu Frühgeburten. Es kann auch sein, dass mehr Probleme im familiären Umfeld auftreten.
  14. Schwangere über 35 Jahren Das Risiko für bestimmte Chromosomenabweichungen (wie das Down Syndrom) nimmt zu mit steigendem Alter. Es ist hier wichtig eine Pränatale Diagnostik (eine vorgeburtliche Untersuchung auf Chromosomenabweichungen) anzubieten. 
  15. Vielgebärende (mehr als 4 Kinder) neigen ebenfalls unter Umständen zu Frühgeburten oder Sturzgeburten.
  16. Zustand nach Sterilitätbehandlung Zustand nach Behandlungen wegen Unfruchtbarkeit. Hier können  Mehrlingsschwangerschaften auftreten.
  17. Zustand nach Frühgeburt (vor Ende der 37. SSW) Es kann sein, dass eine Neigung zu Frühgeburten vorhanden ist und unter Umständen kann man weitere Frühgeburten vermeiden durch entsprechend angepasste Vorsorgeuntersuchungen.
  18. Zustand nach Mangelgeburt Auch die Mangelgeburt kann sich wiederholen und die Vorsorgeuntersuchungen müssen auch hier angepasst werden. Ein Mangelgeburt ist ein Kind was um den errechneten Termin geboren wird aber Unreifezeichen zeigt, z.B. zu geringes Gewicht, fehlende Fettpolster, unreifes Neugeborene
  19. Zustand nach 2 oder mehr Fehlgeburten/Abbrüchen  Es kann eine Fehlgeburtenneigung vorhanden sein und auch hier werden die Vorsorgeuntersuchungen angepasst.
  20. Totes/geschädigtes Kind in der Anamnese auch hier werden Vorsorgeuntersuchungen angepasst um eine Wiederholung des Vorausgegangenem zu vermeiden.
  21. Komplikationen bei vorausgegangenen Entbindungen ggf. welche  Hier werden alle Komplikationen aufgelistet welche während vorausgegangene Geburten stattfanden.
  22. Komplikationen post partum ggf. welche Hier werden alle Kompliaktionenn angegeben welche in der Nachgeburtsphase auftraten, wie z.B. postpartale Blutungen
  23. Zustand nach Sectio Vorherige Kaiserschnittgeburten - ggf. Kann ein Kaiserschnitt immer wieder notwendig sein aber auch eine normale Entbindung nach Kaiserschnitt stattfinden.
  24. Zustand nach andere Uterusoperationen ggf. welche Hier müssen Operationen an der Gebärmutter angegeben werden, z.B. Myomentfernungen, Uterusfehlbildungs-Operationen.
  25. Rasche Schwangerschaftsfolge (weniger als 1 Jahr) Hier ist die Neigung zu Muttermundsschwäche und Frühgeburten etwas höher als normal.
  26. Andere Besonderheiten ggf. welche  Hier ist genug Platz für alles was wichtig wäre aber wofür keine extra Spalte vorhanden ist.

 

Unter dieser Auflistung finden Sie einen rosarote Block in dem der Arzt entscheiden soll, ob nach diesem sogenenannte Katalog A eine Schwangerschaftsrisiko vorliegt.

Ganz unten sehen Sie die Beratung der Schwangeren.

a) Ernährung , Medikamente, Genußmittel Man sollte sich ausgewogen und Gesund ernähren. Fleisch sollte gut durchgebraten sein und man sollte kein rohes Fleisch, z.B. Mett, essen. Wenn es geht sollte man 2 x pro Woche frischen Fisch essen oder auch auf ein ausgewogene Zufuhr von genügend Jod sorgen z.B. in der Form von Jodtabletten oder Jod zusammen mit anderen Vitaminkombinationen. Die Rinde von in Holz gereiften Käsesorten sollte man nich mitessen (Listeriose Erkankungen). Man sollte nur Medikamente zu sich nehmen, welche auch von Ihrem Frauenfacharzt genehmigt werden, im Zweifelsfall ist es immer besser zu fragen. Auf Genussmittel wie Nikotin oder Alkohol sollte man komplett verzichten. Wenn Sie hiermit ein Problem haben bitte sprechen Sie Ihrem Frauenfacharzt diesbezüglich an.

b) Tätigkeit/Beruf, Sport, Reisen Es kann sein, dass  Sie bei bestimmten Berufen in der Schwangerschaft aufpassen müssen. Sie dürfen nicht alle Arbeiten als Schwangere ausführen - Angaben hierzu finden sie in den Mutterschaftsrichtlinien. Auch ihr Arbeitgeber ist verpflichtet, diese Richtlinien für Sie einsehbar aufzubewahren.
Nicht alle Sportarten sind in der Schwangerschaft erlaubt  - aber Sie brauchen nicht untätig zu sein - viele Sportarten sind wohl erlaubt.
Das gleiche gilt für Reisen - Reisen ist meistens unbedenklich in der Frühschwangerschaft ab eine gewisse Schwangerschaftswoche - meistens der 28.SSW - sollte man sich dort aufhalten wo auch eine gute medizinische Versorgung eines zu früh geborenen Kindes möglich ist. Manche Fernreisen sind nicht zu empfehlen - Wenn Sie eine Reise vorhaben sollten Sie immer Ihren Arzt informieren und fragen ob er/sie diese Reise auch empfehlen kann. Schließen Sie immer besser eine Reiserücktrittsversicherung ab - damit Sie keine Problme bekommen falls Sie aus medizinischen Gründen eine Reise stornieren müssen.

c) Risikoberatung
Bei bestimmte Gegebenheiten ist eine Risikoberatung nötig - z.B. wenn sie über 35 Jahre alt sind oder unter 18 Jahre alt sind. Oder nach bestimmten Besonderheiten in Ihrer Krankengeschichte, bei Besonderheiten bei früheren Geburten u.v. mehr. Fragen sie ruhig Ihren Arzt, ob ein Risikoberatung bei Ihnen nötig ist.

d) Geburtsvorbereitung/Schwangerschaftsgymnastik
Ein Geburtsvorbereitungskurs und oder Schwangerschaftsgymnastik ist zu empfeheln ab der 28. Schwangerschaftswoche - 

e) Krebsfrüherkennungsuntersuchung
Hier wird das Ergebnis der letzten Krebsvorsorgeuntersuchung eingetragen. Das ist der sogenannte PAP Abstrich - ein Normalbefund wird bezeichnet in Deutschland mit PAP I oder PAP II - sollte etwas anders in Ihrem Mutterpass stehen - fragen Sie bitte Ihren Arzt/Hebamme dazu.

Autor: Frau Dr. Reeve

Erstmalig erstellt am: 25.01.06
Zuletzt bearbeitet am: -