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Kaiserschnitt

Der Kaiserschnitt

Der Kaiserschnitt oder medizinisch ausgedrückt Sectio caesarea, ist eine operative Entbindung über Querschnitte im unteren Bauchbereich - durch Bauchdecke und Gebärmutterwand - und Ihr Baby wird durch diese operative Öffnung entbunden.

Manchmal kann eine normale vaginale Geburt (Geburt durch die Scheide) für Sie oder Ihr Baby gefährlich sein.

Der Kaiserschnitt oder Sectio caesarea verdankt seinen Namen dem römischen Kaiser Julius Caesar, der am 13.7.100 vor Christus durch diese Operation zur Welt gebracht wurde.

Die Gründe für eine Entbindung auf diesem Weg sind zahlreich. Grundsätzlich kann man auch zwischen geplanten (elektiven oder primären ) und ungeplanten ( sekundären) Kaiserschnitten unterscheiden.

 

Der Kaiserschnitt

Sectio caesarea: 

                     Schnittentbindung, Kaiserschnitt.

                     operative Entbindung durch Querschnitte

                     der Bauchdecke und Gebärmutter

Primäre (elektive ) Sectio:

                     geplante Schnittentbindung vor

                     Geburtsbeginn (wehenlose Gebärmutter,

                     Fruchtblase intakt)

 

Sekundäre Sectio:

                    Schnittentbindung unter der Geburt

 

Notfallsectio:  

                    Schnellsectio - notfallmäßige

                    Schnittentbindung bei akuter Lebensgefahr

                    für Mutter und/oder Baby

 

 

Gründe für eine geplante Sectio - primäre elektive Sectio:

 

  • Ihr Baby liegt quer oder schräg - oder andere Lagen in dem das Köpfchen nicht zu erst kommt oder auch Kopflagen in dem das Kind nicht geboren werden kann - z.B. Gesichtslage
  • Beckenendlage (Steißlage oder Beckenendlage mit Risiken)
  • Missverhältnis (das Baby oder auch das Köpfchen des Babys ist zu groß für das Becken der Mutter)
  • Das Baby ist zu klein oder zu schwach (z.B.: Frühgeburt)
  • Plazenta praevia totalis oder partialis ( der Mutterkuchen liegt entweder ganz oder zum Teil vor dem inneren Muttermund)
  • Es besteht eine mütterliche Erkrankung, die eine normale Geburt nicht zulässt - z.B.: Augen - Netzhautablösungen ( die beim Pressen erneut auftreten können oder verschlimmert werden können), starke Genitalinfektion (Scheideninfektionen - wie z.B. Herpes), Beckenprobleme (z.B. Z.n. Beckeninstabilität) oder andere Erkrankungen der Mutter (manche Herzerkrankungen)
  • Drohende oder bestehende Eklampsie (eine Erkrankung in der Schwangerschaft mit Bluthochdruck und anderen Komplikationen).
  • Kindliche Fehlbildungen - z.B.: Hydrocephalus (im Volksmund: Wasserkopf)
  • Bei Zwillingsgeburten bei dem das führende Kind in Beckenendlage liegt 
  • Bei Drillingen oder mehr Mehrlingsgeburten
  • Mehrere vorausgegangene Kaiserschnitte
  • Unter bestimmten Umständen:  auf Wunsch der Mutter - dies ist aber eine strittige Indikation und letztendlich entscheidet der Geburtshelfer, ob eine Indikation/Grund für einen Kaiserschnitt vorliegt, und ob das Operationsrisiko eingegangen werden kann - ein Geburtshelfer hat auch immer das Recht einen Kaiserschnitt auf Wunsch abzulehnen.

Weit gefasst gibt es sicherlich mehr Indikationen, die man hier darstellen könnte - aber das sprengt den Rahmen dieser Informationen und führt zu Verwirrung - die Liste oben kann darum unvollständig sein.

 

Gründe für eine ungeplante sekundäre Sectio:

 

Die Entscheidung für eine sekundäre Sectio wird während der Geburt gefällt. Bis dahin ging man aber ursprünglich davon aus, dass das Baby durch die Scheide geboren wird.

  • Auffälliges CTG - man sieht, dass es dem Baby schlecht geht, bei unreifem Muttermundsbefund - und eine Geburt durch die Scheide würde zu lange dauern und das Baby gefährden
  • Vorzeitige Plazentalösung unter der Geburt
  • Das Baby ist zu groß und passt nicht durch das Becken - es kommt zum Geburtsstillstand
  • Nicht therapierbare Wehenschwäche - es kommt zum Geburtsstillstand
  • Mehrlinge bei Frühgeburt
  • Lage-, Haltungs- und Einstellungs-Auffälligkeiten (festgesetzte Querlage nach     Blasensprung, verschleppte Querlage, Gesichtslage, andere Kopflagen, die einer normalen Entbindung im Wege stehen u.a.)
  • Drohende Uterusruptur
  • Nabelschnurvorfall
  • Frühgeburten mit zusätzlichen Risiken (sehr kleines Kind, Lageauffälligkeiten)
  • Drohende Eklampsie (eine Erkrankung in der Schwangerschaft mit Bluthochdruck und anderen Komplikationen)
  • Auftretende Komplikationen, wie z.B. hohes Fieber der Mutter, plötzliche unkontrollierbare Blutdruckveränderungen

 

Da dieser Geburtsweg ein operativer ist, ist auch eine Betäubung nötig. Meistens entscheidet der Anlass für den Kaiserschnitt schon die Art der Narkose.

Bei einer geplanten Sectio hat man die Zeit und Ruhe eine Teilnarkose, wie die Periduralanästhesie (PDA) durchzuführen. Diese Narkoseform hat den Vorteil, dass Sie während der Geburt bei vollem Bewusstsein sind und Ihr Baby meist direkt sehen und halten dürfen, wenn die Umstände es erlauben.

Bei einer ungeplanten sekundären Sectio und bei schon liegender PDA reicht es häufig, wenn man kurzfristig das Narkosemittel höher dosiert, so dass keine Vollnarkose nötig ist. Liegt noch keine PDA, dann stellt sich die Frage, ob noch Zeit besteht eine PDA zu legen - denn es dauert einige Zeit bis diese Ihre Wirkung entfaltet.

Ist eine Notsectio erforderlich, bleibt keine Zeit eine PDA zu setzen und eine Vollnarkose ist nötig.

 

 

 

 

 

Was passiert, wenn ein Kaiserschnitt nötig ist?

 

Vor der Operation:

  • Es erfolgt ein Gespräch mit einem Arzt;  Sie  werden über den Eingriff aufgeklärt und Sie werden gebeten Ihre Unterschrift auf Aufklärungsbogen und Einverständniserklärung zu setzen.
  • Je nach Krankenhaus oder Situation: Gespräch mit der Hebamme, die im Normalfall das Baby direkt nach der Geburt versorgen wird.
  • Sie bekommen einen venösen Zugang (ein Tropf in einer Vene des Armes oder unterhalb des Schlüsselbeins).
  • Häufig wird Blut entnommen für Laboruntersuchungen
  • Der Narkosearzt wird mit Ihnen die Narkose besprechen
  • Vor geplanter Sectio wird ein Einlauf gegeben
  • Unter bestimmten Umständen erfolgt auch ein Gespräch mit den Kinderärzten oder Kinderchirurgen/-kardiologen, wenn das Baby direkt nach der Geburt medizinisch versorgt werden muss.
  • Unter bestimmten Bedingungen Wehenhemmung über den Tropf
  • Rasur der Schamhaare
  • Blasenkatheter (kleiner Schlauch wird in die Harnröhre gelegt, damit die Harnblase, die vor der Gebärmutter liegt schön leer bleibt und nicht im Wege steht bei dem Kaiserschnitt)
  • Thrombosestrümpfe werden Ihnen über die Beine gezogen
  • Sie bekommen ein Operationshemd angezogen

 

Die unmittelbaren Vorbereitungen für die Sectio werden meistens im Kreissaal, der normalerweise neben dem OP-Saal (Operationssaal) liegt, vorgenommen. Diese werden meistens auch durch das betreuende Ärzte- und Hebammen-Team und ihre Assistenten durchgeführt.

Unter Umständen und je nach Krankenhaus werden Sie durch eine sogenannte Schleuse in den OP Raum gebracht, wenn der Kreissaal nicht seinen eigenen OP hat.

 

Im Operationssaal:

  • Sie werden auf dem Operationstisch gelagert - meistens geschieht dies in einer linken Seitenlage, leicht schräg, zur Vermeidung eines Vena Cava inferior Syndroms (ein Schwindelanfall, ausgelöst durch den starken Druck der schweren Gebärmutter auf die große Bauchvene).
  • Sie bekommen ein meist grünes oder blaues (je nach Krankenhaus anders farbiges) steriles Tuch vor Ihre Brust gehangen - das dient der Abtrennung zum Narkosebereich - hier `befinden´ Sie sich mit dem Narkoseteam und ggfs. Ihrem Partner, wenn er anwesend sein darf. So brauchen Sie erstens nicht zuzuschauen, wie die Operation durchgeführt wird und zweitens wird durch diesen Sichtschutz auch der Operationsraum (Ihr Bauch) geschützt. Oft dürfen die Väter, wenn anwesend, (allerdings vorsichtig ohne das Tuch zu berühren) über diesen Sichtschutz schauen.
  • Der Bauch und der Rand bzw. die Umgebung des Operationsbereiches (ihr Bauch) wird mit Haut-Desinfektionsmittel behandelt.
  • Die Beine und die Umgebung des Operationsbereiches werden mit sterilen Tüchern abgedeckt.
  • In der Zwischenzeit hat sich das Operationsteam sorgfältig die Hände und Unterarme desinfiziert (wenn nicht ein Teil des Teams die Hautdesinfektion des Bauches und die Abdeckung mit sterilen Tüchern schon selbst durchgeführt hat) und ist umgezogen in sterilen Kitteln und Handschuhen.
  • Jemand vom Narkoseteam und/oder vom Operationsteam wird Sie informieren, wann sie mit der eigentlichen Operation beginnen.
  • Die gesamte Operation dauert etwa 35-45 Minuten - ohne Vorbereitung und Nachbereitung - wobei das Baby innerhalb der ersten 5-10 Minuten entbunden wird.
  • Der Operateur macht einen Querschnitt unterhalb der rasierten Schamhaargrenze. Diese Narbe ist später versteckt durch die Schamhaare falls Sie sie nicht rasieren. Durch die Lage des Schnittes hat er auch den Namen Bikini-Schnitt bekommen.
  • Es erfolgt dann der Querschnitt der Gebärmutter (des Uterus), nach und nach werden die einzelnen Bauchschichten durchgeschnitten. Eine Alternative ist der sanfte Kaiserschnitt nach Misgav-Ladach.
  • Sie hören vielleicht ein Geräusch (als ob ein Riese den letzten Rest eines Getränkes aus einem Glas mit einem Strohhalm saugt) - das ist das Geräusch des Sauggerätes, das das Fruchtwasser absaugt, sobald die Gebärmutter und die Fruchtblase geöffnet sind.
  • Sie hören auch, wie die Operateure über jeden einzelnen Schritt, den sie machen miteinander sprechen oder wie der Operateur seinen Assistenten Anweisungen gibt. Auch das Narkoseteam kann miteinander sprechen.  
  • Das Baby wird herausgehoben und abgenabelt. Es kann sein, dass Sie einen Druck auf dem Bauch bemerken, so, dass Sie für eine kurze Zeit nicht tief durchatmen können - dabei merken Sie eventuell, wie das Baby herausgehoben wird, bzw. wie man eventuell einen leichten Druck auf den Oberbauch gibt um das Baby aus der Gebärmutter zu heben.
  • Das Baby wird meistens an die Hebamme abgegeben. Sie notiert die Zeit der Geburt.
  • Sie bekommen eine Injektion, damit die Plazenta (=Mutterkuchen) sich gut löst.
  • Sie können im Normalfall Ihr Baby direkt sehen und anfassen, während das Operationsteam weiter operiert.
  • Die Plazenta löst sich und der Operateur wird kontrollieren, dass keine Plazentareste zurückbleiben.
  • Die Blutungen, die zwangsläufig auftreten, werden gestillt
  • Die Schichten werden nacheinander versorgt und wieder verschlossen.
  • Wenn die letzte Hautnaht vollzogen ist, wird die Wunde mit einem Pflaster abgedeckt und danach können alle sterilen Tücher weggenommen werden.
  • Sie werden noch im Operationssaal durch die OP-Schwestern und -Pfleger versorgt, sowie durch das Narkoseteam.
  • Hiernach ist die Operation beendet und Sie werden entweder in einem Überwachungsraum der Intensivstation oder im Kreissaal noch einige Stunden nach der Operation intensiver beobachtet.
Autor: Frau Dr. Reeve

Erstmalig erstellt am: 14.05.06
Zuletzt bearbeitet am: -