Schon seit Jahren ist bekannt, dass eine ausreichende
Folsäureeinnahme das Risiko für Spina Bifida vermindern
kann. Sie sollten es schon ca. 4 Wochen vor der
Empfängnis einnehmen, besser noch 3 Monate
vorher, und sollten es mindestens bis zur abgeschlossenen
12. Schwangerschaftswoche, besser noch bis zur Geburt,
einnehmen.
Schwierig ist es vorherzusagen, wann man schwanger wird und
somit ist es zu empfehlen Folsäure schon einzunehmen sobald Sie
versuchen werden schwanger zu werden.
Einige Studien berichten auch, dass auch das Risiko für Frühgeburten, Fehlgeburten, Präeklampsie ("Schwangerschaftsvergiftung") und eine vorzeitige Plazentalösung durch die Einnahme von zusätzlicher Folsäure vermindert werden kann.
Warum sollte ich Folsäure bis zur abgeschlossenen
12. Schwangerschaftswoche einnehmen?
In den ersten 12 Wochen der
Schwangerschaft entstehen alle Organe beim Kind - nach der
12. Woche ist der Rücken ausgebildet und verschlossen. Hiernach
wächst das Kind `nur´. Wenn Sie während der gesamten 12. Wochen
Folsäure zusätzlich nehmen ist das Risiko für offene
Rückenmissbildungen verringert.
Warum sollte ich dennoch Folsäure auch nach der
12. Schwangerschaftswoche nehmen?
Da einige Studien von verringertem Risiko für Fehlgeburten und
Frühgeburten, sowie einigen anderen Schutzwirkungen (siehe
oben) berichten und eine Folsäureeinnahme nicht schadet, sollte
man die Einnahme ruhig bis zur Geburt fortsetzen.
Was macht Folsäure genau?
Folsäure als wichtiges Vitamin ist ein Baustein für die Bildung
von neuen Zellen, für die Zellteilung, auch die Bildung und
Teilung von Blutzellen, und fördert die Entwicklung des
Gehirns.
Was ist Spina bifida?
Spina bifida ist eine Fehlbildung bei
der Teile von einem oder mehreren Wirbelkörpern sich nicht
zu einem Ring verschliessen (zum Rücken hin) und dadurch das
Rückenmark (Teil des Zentralnervensystems, das sich im
Rücken befindet) oder die darinliegenden Nerven freiliegen und
nicht abgedeckt - so wie es sich gehört. Spina bifida kann
überall an der Wirbelsäule vorkommen, aber es kommt am meisten
im unteren Bereich des Rückens vor .Wie ausgeprägt die
Folgen von einem offenen Rücken sind, hängt davon
ab, wie viel von dem zentralen Nervensystem offen
liegt.
Es gibt verschiedene Ausprägungsgrade der Spina bifida. Es gibt
eine leichte Form, wobei die Wirbelbögen zweigespalten sind
ohne Fehlbildung des Nervensystems oder die darüber liegende
schützende Haut. Es gibt schwere Formen mit größeren
Knochendefekten und begleitenden Defekten des Nervengewebes und
der Nervenhäute. Sie können zu Lähmungen, Hydrocephalus
(Wasserkopf) und Harninkontinenz (man kann den Urin nicht
halten) führen.
Braune mit Haar bedeckte Muttermale am
Rücken
Wenn beim entwickelnden Embryo die Haut, das Gehirn, das
Rückenmark und die Nerven entstehen und von den selben Zellen
abstammen, kann es sein, dass ein Muttermal, oder eine dunkle
Färbung der Haut mit vielen Haaren darauf, auch das einzige
Zeichen für einen späten Verschluss des sogenannten Neuralrohrs
sein kann.
Folsäure in der Schwangerschaft
Innerhalb der ersten 4 Wochen nach der Empfängnis
passiert folgendes: von einer flachen Zellansammlung entstehen
die Wirbelsäule und das Rückenmark, in dem die Zellen ein
längliches Rohr mit einem darin enthaltenden Hohlraum bilden.
Der Verschluss von diesem Organ ist sehr wichtig und geschieht
früh in der Schwangerschaft.
Deswegen ist es wichtig, Folsäure schon vor der
Empfängnis einzunehmen, damit man nicht in einen
Folsäuremangelzustand kommt.
Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass
Schwangere ausreichende Mengen von Folsäure im Blut brauchen um
diesen Ablauf zu unterstützen. Schwangere mit zu niedrigen
Folsäuremengen im Blut haben ein höheres Risiko ein Kind mit
offenen Rückenmissbildungen zu bekommen.
Normalerweise wird Folsäure schnell aus dem Blut geholt, aber
in der Schwangerschaft geschieht dies bis zu 4 x so schnell -
man kann also schneller einen Folsäuremangel bekommen.
Häufigkeit von offenen Rückenmißbildungen:
1:1000
Wiederholungsrisiko: ca. 6,5%
Durch die Folsäuregabe mindestens 4 Wochen vor der
Empfängnis könnten nahezu 500 Fälle pro Jahr vermieden
werden.
Wie nimmt man Folsäure?
Es reicht nicht nur folsäurehaltige Nahrungsmittel
einzunehmen.
Die Experten haben sich geeinigt, dass eine tägliche Dosis von
400 microgramm = 0,4 mg ausreicht.
Bei Frauen die ein familiär erhöhtes Risiko für offene
Rückenmissbildungen haben ist eine Dosierung von 4mg
nötig.
Experten empfehlen, wenn möglich 3 Monate bevor man versucht
Schwanger zu werden, es schon einzunehmen.
Folsäure wird in Form einer Kapsel eingenommen oder als
Getränk.
Folsäure in der Nahrung
Grünes Blattgemüse - je dunkler je besser,
Spinat, Salatblätter, Spargel, Tomaten, Gurken,
Pilze, Vollkornbort, Nüsse - besonders Walnüsse, Erbsen und
Bohnen liefern Folsäure. Aber auch in tierischen Lebensmitteln
wie Leber (sollte man aber auch nur 1 x pro Woche höchstens
essen).
Rindfleisch, Obst und Fisch haben wenig Folsäure.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Frauen die Antikonvulsiva (wird eingenommen bei
Anfallsleiden wie Epilepsie) einnehmen müssen beachten- ACHTUNG
: Folsäure vermindert die Wirkung Ihrer Medikamente!
Kosten:
Da die Folsäure zu der Gruppe der Vitamine gehört
- wird sie für Kassenpatientinnen nur auf ein grünes
Rezept verordnet - das heißt, man muss die Folsäure, wie alle
anderen Vitamine, selbst bezahlen. Sie wird nicht von der
Kasse vergütet.
Aus diesem Grund wird die Folsäure häufig vernachlässigt,
obwohl sie sehr wichtig ist.
Manche Privatkassen erstatten die Kosten.
