Ich bin 1958 geboren, meine Kinder sind im Jahre 1989 und 1991 geboren. Ich habe bei keiner der Geburten Schmerzmittel benötigt. Ich hatte Glück, meine Kinder sind schnell geboren.
Mir half am besten die
Geburtshilfe-Geschichte meiner eigenen Mutter, obwohl ich
selber Gynäkologin und Geburtshelfer
war/bin!
Meine Mutter, Erna Reeve (Pädagogin), hatte 1958 vor
meiner Geburt das Büchlein über die natürliche Geburt gelesen
von Grantly Dick-Read (
Childbirth Without Fear: The Principles and Practice of Natural
Childbirth
)- ja da gab es schon ein Büchlein - erst Jahre später wurde
die sanfte Geburt richtig bekannt.
Die Visualisierung meiner Mutter war folgende:
Die Geburtswehen hat sie wie eine
lange Bergkette gesehen - jede Wehe war ein Berg. Da musste sie
hinauf und an der Spitze der Wehe/des Berges wieder
runter.
Sie wusste nicht, wie lang die Bergkette war - aber sie wusste,
dass sie irgendwo aufhörte ... es war nicht unendlich. Jede
Wehe/Berg brachte sie näher zu ihrem Baby. Am
Ende der Bergkette/Wehen lag ihr Baby und wartete.
Die Berge/Wehen waren auch verschieden hoch, somit waren die Wehen verschieden stark - aber sie waren nicht unendlich und sie hatten alle eine Spitze.
Beim hinauflaufen/beginnende Wehe
war nur wichtig, dass man die Spitze gut erreicht und
danach konnte man wieder langsam entspannen.
Zwischen den Bergen, in den Tälern, war Zeit und Platz sich
richtig auszuruhen und zu erholen, bis man wieder auf den
folgenden Berg gezogen wurde.
Diese Visualisierung hat mir
erstaunlicherweise bei meinen Geburten sehr gut geholfen. Ich
weiß, dass die Vorstellung der Bergkette geholfen hat, dass ich
mich auf die Wehen fokussieren und konzentrieren konnte - aber
so, dass ich die Schmerzen der einzelnen Wehe sehr gut
verarbeiten konnte - mir half dabei auch eine Art von
Dissozierung - mein Kopf war bei mir und den unteren Teil
meines Körpers, wo der Schmerz war, habe ich sozusagen
ignoriert.
Ich hatte zuviel zu tun mit der Vorstellung von der Bergkette -
die schmerzhafte Wehe wurde bei Seite geschoben und
weggeatmet.
Als der Schmerz der Wehe aufkam
habe ich mich auf das Hochlaufen des Berges konzentriert, ich
habe gut atmen können und bin durch die Wehe sozusagen gelaufen
bis zur Bergspitze. Es überraschte mich, wie gut es ging, und
die Spitze des Berges war ein willkommenes Gefühl - man merkte
so richtig, wie man abglitt, der Schmerz wegglitt....
Das ist meine wichtigste Geburtshilfe-Geschichte.
Julia
Vom Mutterpass-Team
