Bei meiner letzten Vorsorgeuntersuchung (in der 39. SSW) stellte meine Frauenärztin dann auch einen "hervorragenden Befund", mein Gebärmutterhals war komplett verstrichen und der Muttermund bereits 3 cm geöffnet. Allerdings lief ich schon seit beinahe 3 Wochen mit einem 2 cm geöffneten Muttermund durch die Gegend und glaubte so langsam nicht mehr daran, dass es wohl doch bald losgehen könnte. Denn trotz meiner Angst vor der Geburt kam ich mir vor, als hätte ich mindestens eine riesige, wenn nicht sogar zwei Wassermelonen verschluckt. Ich brauche wohl auch nicht betonen, dass ich, wenn ich einmal auf dem Rücken lag, kaum mehr von alleine hochkam. Also versuchte ich so ziemlich alles, was ich zuvor vermieden habe: ich saß stundenlang vor dem PC, lief die Treppen in unserem Treppenhaus (6 Stockwerke) rauf und runter und schnaufte dabei wie ein Nilpferd, aber es tat sich nichts. Na gut, es war ja auch noch eine Woche Zeit bis zum errechneten Geburtstermin, aber egal wo ich hin kam, jeder begrüßte mich mit den Worten: "Du bist ja immer noch schwanger."
So vergingen dann die nächsten Tage und es tat sich nichts, keine Wehe, kein bisschen Ziehen, absolut null! In der Nacht von Montag auf Dienstag wurde ich so gegen drei Uhr in der Nacht wach, weil ich dringend auf die Toilette musste. Kaum aus dem Bett aufgestanden, vernahm ich ein leises Plopp und mir lief Wasser an den Beinen herunter. Im ersten Moment war ich so geschockt, dass ich gar nicht wusste, was genau mit mir geschah und so stiefelte ich erst einmal ins Bad. Meine Fruchtblase war geplatzt und jetzt war der Moment, in dem es dann wohl losgehen sollte. Komischerweise war ich ab dem Moment recht ruhig und ging zurück ins Schlafzimmer, um meinen Mann zu wecken. Mein Mann ist normalerweise kaum wach zu bekommen, doch bei den Worten: "Schatz, meine Fruchtblase ist geplatzt", stand er innerhalb von einer Sekunde senkrecht im Bett und ca. zwei Minuten später mit meiner Kliniktasche in der Hand vor der Wohnungstür. Doch ich wollte erst noch schnell unter die Dusche. Nachdem ich dann aus der Dusche kam, fuhren wir ins nächste Krankenhaus und auf dem Weg dorthin bekam ich die erste Wehe. Jetzt merkte ich doch deutlich den Unterschied zwischen den Übungswehen und den richtigen Geburtswehen, aber mit tiefen Ein- und Ausatmen verging die erste Wehe. Im Krankenhaus angekommen, standen wir erst einmal Mutterseelen allein auf dem Flur und es dauerte noch ein paar Minuten, bis die Nachtschwester dann kam. Als nächstes wurde dann ein CTG geschrieben und mein Mann ging mit der Schwester, um meine Daten zu erfassen. Komischerweise zeigte das CTG keine Wehen an, obwohl ich mittlerweile alle zwei Minuten starkes Ziehen im Unterleib verspürte. Nachdem mein Mann wieder zurückkam, wurde das CTG abgemacht und die Nachtschwester schickte mich hinunter in den Kreißsaal, wo bereits die Hebamme auf mich wartete. Ich kam in den Untersuchungsraum und die Hebamme stellte fest, dass mein Muttermund schon ca. fünf Zentimeter geöffnet war, dabei war es erst eine Stunde her, dass die Fruchtblase platzte. Mit den Worten: "Sie können gleich hier bleiben", wurde ich in den Kreißsaal gebracht und von da an kam eine Wehe nach der nächsten und mir blieb kaum eine Minute zwischen den Wehen, um mich zu erholen. Dann kam die Ärztin und machte einen Ultraschall, wobei sie mir noch einen Schrecken einjagte, denn sie konnte den Kopf unserer Kleinen mit dem Gerät nicht mehr finden. Sie fragte mich, ob sie denn auch richtig rum läge und nachdem ich das bejahte, stellte sie fest, dass unsere Kleine sich wohl schon auf den Weg machte und mit dem Kopf schon im Geburtskanal wäre. Die Untersuchung des Muttermundes ergab dann auch schon eine Öffnung von acht Zentimetern. Ich bekam noch eine Infusionsnadel in das Handgelenk gelegt und eine Buscopan Spritze, die angeblich die Schmerzen etwas lindern sollte. Was jedoch nicht der Fall war, die Wehen kamen Knall auf Fall eine nach der anderen. Nun sollte ich vom Bett aufstehen und mein Mann sollte mir den Rücken massieren, was auch für einen kurzen Moment gut tat, aber sich auch nicht allzu lange aushalten ließ. Ich hatte mittlerweile das Gefühl, dass zwischen den Wehen gar keine Pause mehr war und die Hebamme schaute noch einmal nach dem Muttermund und sagte plötzlich: "Bei der nächsten Wehe pressen Sie mit." Das hieß ja dann soviel wie, dass ich es schon fast geschafft hätte. Die Wehe kam und ich presste so fest wie ich nur konnte. Der Schmerz war mittlerweile unerträglich geworden und ich schnauzte die Hebamme an, dass ich nicht mehr wolle und nach Hause möchte, bekam aber nur die Antwort, dass es dafür wohl jetzt zu spät sei und ich da durch müsste. Mein Mann saß während dessen neben mir auf dem Stuhl und versuchte mir Mut zu machen und mich zum "richtigen Atmen" zu motivieren. Mir aber war alles völlig egal, ich wollte nur noch, dass der Schmerz nachlässt und so presste ich weiter, was das Zeug hielt. Kurz darauf hörte ich wie von weit weg die Worte: "Ich kann schwarze Haare sehen und mein Mann durfte dann auch mal schauen, kehrte aber gleich an meine Seite zurück um msich die Hand weiter von mir zerquetschen zu lassen. So kamen dann noch ca. zwei Presswehen und als die Hebamme mir sagte, dass sie Schneiden musste, war ich erstaunt, dass ich nichts davon mitbekommen hatte, denn genau dieser Schnitt war es, vor dem ich höllische Angst hatte. Nun gut, sie hatte geschnitten, ändern konnte ich es eh nicht mehr und nachdem ich noch einmal feste mitpresste, ließ der Schmerz plötzlich nach, dann ertönte auch schon ein lauter, aber kurzer Schrei und mir wurde unser kleines Mädchen auf den Bauch gelegt. Man hört zwar immer wieder den Satz: " Wenn sie draußen sind, ist aller Schmerz vergessen", aber dass das wirklich so ist, konnte ich nie glauben. Aber es ist einfach so, wenn du plötzlich deine kleine Maus in den Armen hälst und sie dich anschaut, dann vergisst du alles, was vorher war und auch der Schmerz ist nicht mehr da. Die Welt war wieder in Ordnung. Leider war mein Glück die Kleine im Arm zu halten nur kurz, denn sie wurde zur U1 mitgenommen und mein Mann ging mit, um unser kleines Wunder zu bestaunen, während ich genäht wurde. Aber auch das war mir egal, ich wollte nur, dass man mir meine Süße zurückbrachte und man mir bestätigte, dass sie gesund und munter ist. Was dann auch so war, meine Kleine war gesund, wog 3900 Gramm und war 55 Zentimeter groß, ein kleiner Riese.
Alles in allem hatte ich eine schöne Geburt, auch wenn unsere Kleine in der "Oh-jeh-Stellung" (sie hatte, wie auch schon auf vielen Ultraschallbildern, ein Händchen am Kopf) das Licht der Welt erblickte. Obwohl es mein erstes Kind ist, dauerte die Geburt "nur" 2,5 Stunden, vom Platzen der Fruchtblase an gerechnet. Aus dem Kreißsaal wurden wir dann mit den Worten verabschiedet: "Sie waren heute Nacht die letzte Frau, die in den Kreißsaal kam und sind die erste, die ihn schon wieder verlässt." Und wenn ich ehrlich bin, war ich dankbar, dass alles schnell und gut verlief. Mittlerweile ist die Kleine fünf Wochen alt und hat alle fest im Griff.
Eine
Geburts-Hilfe-Geschichte
von Silly
