Stillen ist etwas ganz natürliches -
aber so natürlich wie es ist, brauchen Ihre Frau und das Baby
Zeit um es zu können! Bis beide ein eingespieltes Team sind
dauert es Tage bis Wochen.
Das Baby wird nicht sofort wissen, wie es die Brustwarze
richtig ansaugt um daraus Milch zu bekommen und Ihre Frau wird
anfangs auch nicht wissen, wie sie es am besten macht und dem
Baby dabei helfen kann. Die ersten paar Tage und manchmal
darüber hinaus, werden die Brustwarzen richtig strapaziert und
sie können rot werden und sogar einreißen und sehr weh tun. Die
Warzen können so sehr beansprucht sein, dass sie auch bluten
können. Das Baby möchte zwischen 6 bis 8 Mal am Tag angelegt
werden. Wenn Sie sich vorstellen Sie machen immer nur
Büroarbeiten und müssen plötzlich jeden Tag am Bau mitarbeiten
und das ohne Handschuhe - dann können Sie sich vorstellen, wie
nach einigen Tagen Ihre Hände und Finger aussehen - so ist es
mit den Brustwarzen. Sie brauchen Zeit um sich an diese schwere
Arbeit des Stillens zu gewöhnen und nach der anfangs schweren
Zeit mit schmerzenden, rissigen, gelegentlich blutigen
Brustwarzen, gewöhnen sich die Warzen an das Saugen des Babys
und passen sich an - die Brustwarzen werden sozusagen
härter im nehmen.
Die Brüste produzieren in den ersten paar Tagen keine richtige
Milch - das kommt erst mit dem Milcheinschuss am 3-4 Tag nach
der Geburt. Das wiederum kann wieder sehr schmerzhaft sein
und geht häufig einher mit sogenannten Baby-Blue
Tagen oder Heultagen. Nicht nur die Brustwarzen Ihrer Frau,
sondern Ihre Frau selber wird sehr empfindlich. Haben Sie
Geduld mit ihr und sprechen Sie ihr gut zu. Wenn sie Ruhe
möchte, lassen Sie sie Ruhe haben und lassen Sie sie
aber wissen, dass Sie immer da sind, wenn sie doch wieder
etwas von Ihnen braucht.
Obwohl die Brüste anfangs keine richtige Milch produzieren, bekommt das Baby genug Nährstoffe. Direkt nach der Geburt produzieren die Brüste die sogenannte Vormilch - das Collustrum. Eine wundersame Ansammlung von besonderer Milch.
Das Collustrum ist voll mit
Antikörpern und Abwehrstoffen - es ist ein hochkonzentriertes
Getränk für Ihr Baby. Das Baby kommt nach der Geburt in die
Welt von Bakterien und Viren. Die Därme Ihres Babys sind noch
nicht an alles gewöhnt. Das Collostrum sorgt dafür, dass die
Därme des Babys ausreichend geschützt werden und sorgt für die
erste Zusammensetzung der Darmflora, so dass Ihr Baby später
die Milch auch besser verdauen kann.
Die folgenden Stillzeiten an der Brust der Mama sorgen dafür,
dass das Zusammenspiel zwischen Mama und Baby geübt wird und
das Baby seine Saugtechnik verbessert. Das Saugen an der Brust
führt zur Ausschüttung von Prolaktin aus der Hirnanhangsdrüse
der Mutter - Prolaktin ist das Milchbildungshormon und sorgt
für die Bildung der Milch in den Brustdrüsen. Je mehr das Baby
saugt, desto mehr Milch wird produziert.
Ihr Baby hat Wachstumsschübe und immer wieder sieht man, dass sich die Zeit zwischen den Mahlzeiten verkürzt - wenn das passiert weiß man, das ein Wachstumsschub kommt - das Baby braucht mehr Milch, wird also häufiger anlegen wollen um die Milchproduktion mehr anzukurbeln. Es dauert im Schnitt 2 Tage bis sich die Menge der Milch wieder anpasst und die Brüste mehr produzieren. In dieser Zeit wird Ihr Baby häufiger an die Brust angelegt werden wollen - danach, wenn mehr Milch produziert wird werden die Pausen zwischen den Stillzeiten wieder normal - bis der nächste Schub kommt...
Die erste Zeit des Stillens kann sehr anstrengend sein und manche Frau verzweifelt - es ist hier sehr leicht plötzlich zu sagen, dass man auf Flaschennahrung umsteigen möchte. Das Baby wird schneller satt, schläft mehr, ist nicht so fordernd, die Brüste tun nicht so weh, Ihre Frau ist angenehmer. Allerdings ist und bleibt das Stillen das Beste für Ihr Baby.
Tipp für Papas:
- Seien Sie hilfreich und
unterstützend. Ihre Hilfe und Unterstützung, sowie
Ihre ermutigenden Worte sind wichtig für Ihre Frau und
Ihr Baby. Sagen Sie ihr, wie gut sie es macht. Fragen Sie
sie, ob sie etwas braucht während des Stillens - ein Kissen,
ein Getränk, einen Fußhocker...
Untersuchungen haben gezeigt, dass Frauen mit liebevollen, unterstützenden Partnern länger stillen und glücklicher dabei sind! Etwas, das für die gesamte Familie wichtig ist und da profitiert jeder von!
- Wenn Sie bei der Geburt dabei sein können, ob nach natürlicher Geburt oder Kaiserschnitt, achten Sie darauf, dass Ihr Baby relativ schnell angelegt wird. Nach dem ersten Wiegen und Messen, sowie der ersten Untersuchung nach der Geburt, gehört Ihr Baby zur Mutter, wo es direkt auch das erste mal angelegt werden kann.
- Geschwisterkinder können häufig eifersüchtig werden - und manchmal sogar böse auf das Baby oder auf die Mama oder auf jemand anders... Manche Geschwister möchten dann auch so gehalten werden, wie das Baby oder möchten gar trinken von der Brust. Je nach Alter der älteren Geschwister sind die Reaktionen der Eltern verschieden. Manche Mutter wird das kleinere Geschwisterkind mal probieren lassen - bei älteren Geschwisterkindern kann man etwas Muttermilch zum probieren auf einen Löffel geben. Viele ältere Kinder werden den Geschmack der Milch nicht lecker finden und nach dieser Erfahrung Ruhe geben. Andere Eltern erklären es so, dass die Geschwister wissen müssen, dass die Muttermilch für das Baby ist und ältere Geschwister andere Getränke haben können, was Neugeborene nicht haben dürfen. Am besten man überlegt aber eine gemeinsame Strategie - wie werden Sie und Ihr Partner solche Interessen für die Muttermilch und die Brüste der Mama oder gar Eifersuchtsszenen während des Stillens angehen. Es ist immer gut, wenn Sie und Ihre Frau einer gleichen Linie folgen - es gibt mehr Struktur für das Geschwisterkind und Diskrepanzen zwischen Ihrer Frau und Ihnen merken die Großen schnell und wissen diese besonders gut auszunutzen.
- Ihre Eifersucht.... ja, das gibt es auch - und der Anblick Ihrer stillenden Frau kann für manche Männer auch besonders erregend sein. Nicht jeder Mann erlebt Eifersucht oder Erregung. Aber was immer man erlebt, sollte mit Ihrer Frau auch ruhig besprochen werden. Denken Sie aber daran, dass sich Ihre Frau besonders in den ersten Tagen und Wochen hauptsächlich auf das Baby konzentrieren wird, und dass Sie meistens zu diesem Zeitpunkt etwas "abgeben" müssen - an Zeit, an Zuwendung ...
Denken Sie auch daran, dass es manchmal doch notwendig ist auf Flaschennahrung umzusteigen. Diese Entscheidung kann verschiedenes bei Ihrer Frau auslösen - mal Erleichterung oder mal Versagensgefühle.
